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Ich fahre in Thailand nunmehr seit über sechs Jahren selbst mit dem Auto und
Motorrad und habe mich in dieser Zeit an die hiesigen Straßenverhältnisse und
die Verkehrsregeln gewöhnt. Sollten Sie sich zum ersten Mal mit einem Mietwagen oder
Motorrad in das Abenteuer stürzen
wollen, möchte ich Ihnen hier ein paar nützliche Tips geben. Manches mag seltsam
erscheinen, aber ich habe das auch erst auf einer Strecke von ca. 400.000 Kilometern gelernt.
Die Reihenfolge der Tips entspricht keiner Abstufung in der Wichtigkeit!
Fernstraßen haben Kilometerangaben. Die Straßennummer und der aktuelle Kilometer sind auf
den weißgestrichenen Kilometersteinen am Fahrbahnrand angegeben. Außerdem finden Sie dort
Entfernungsangaben zum nächsten Ort und zum nächsten größeren Fernziel (in Thaischrift!).
Achten Sie beim Kauf einer Straßenkarte darauf,
daß diese Kilometer auf der Karte angegeben sind. Die Orientierung wird so viel einfacher.
Wenn Sie wissen, daß eine Abzweigung von der Straße 4 bei Kilometer 102 nach rechts geht,
können Sie sich rechtzeitig darauf einrichten. Außerdem können Sie nach einem Blick auf
den Kilometerstein finden, wo auf der Karte sie gerade sind. Am besten nehmen Sie eine,
auf der die Ortsnamen in Thai und lateinischer Schrift stehen, so können Sie besser nach
dem Weg fragen. Eine der besten Karten, die ich gefunden habe, ist die Thailand Highway Map,
herausgegeben von der Roads Association of Thailand (ISBN 974-7653-31-1). Sie ist in den
größeren Buchhandlungen (D.K. Book Store, The Books) in größeren Städten für 120 Baht erhältlich
und erscheint jährlich neu.
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- Wenn Sie mit dem Motorrad unterwegs sind, fahren Sie so vorsichtig wie nie zuvor
in Ihrem Leben. Besonders bei Nacht sind auf den Überlandstraßen Hunde unterwegs, und
die haben keine Beleuchtung! (Genauso wenig wie Elefanten, und ein Unfall mit einem
Elefant ist ein Sakrileg!)
- Es gibt hier wirklich Verkehrsregeln, aber diese sind weitestgehend unbekannt. Die
Erteilung eines Führerscheins setzt zwar eine theoretische Prüfung voraus, aber gegen
einen kleinen Beitrag für die Kaffeekasse findet sich auf jedem Straßenverkehrsamt
jemand, der beim Ausfüllen des Multiple-Choice-Tests behilflich ist. Es genügen hier
15 von 20 richtigen Antworten. Die praktische Prüfung reicht je nach Ort von einer
Acht auf dem Parkplatz bis zum Einparken in einer mit Bambusstangen markierten
Parklücke.
- In Thailand herrscht Linksverkehr. Man sollte sich allerdings nicht 100% darauf
verlassen, daß sich das bei allen Verkehrsteilnehmern herumgesprochen hat.
- Ob rechts vor links oder links vor recht gilt, ist nicht ganz klar. Ich warte im Zweifel
immer, bis an einer Kreuzung auf beiden Seiten keiner kommt, das ist wirklich sicher.
Mittlerweile ist es klar, daß links vor rechts geht, aber bitte nicht darauf verlassen!
- Wenn Ihr Vordermann auf eine Kreuzung zufährt und schaltet den Warnblinker an, so bedeutet
das, daß er geradeaus fahren will. Er gibt damit zu erkennen, daß er nicht vergessen hat
zu blinken, jedoch weder rechts noch links abbiegen will.
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- Thais lieben es zu überholen. Sie tun dies immer dann, wenn sie niemanden entgegenkommen
sehen. Dies gilt logischerweise also auch vor Kuppen und Kurven!
- Auf mehrspurigen Straßen sollte der langsame Verkehr die linke Spur benutzen.
Verlassen Sie sich nie darauf. Besonders auf kurvenreichen Strecken werden die Spuren
dauernd gewechselt, selbst bei Schneckentempo werden Kurven noch geschnitten. (Am sichersten
ist das Überholen daher in Linkskurven.)
- Es gibt im Prinzip zwei Arten von Fahrern hier. Die einen fahren so langsam, daß man
als Hintermann im rechten Bein einem Krampf vom Gaswegnehmen bekommt, die anderen rasen
ohne Rücksicht auf Verluste.
- Die landesweit geltende Höchstgeschwindigkeit wird kaum beachtet. Es gilt ein Limit
für PKW und Motorrad von 90 km/h, für Pickup, Busse, LKW ohne Anhänger von 80 km/h,
für LKW mit Anhänger 60 km/h.
- Eine automatische Geschwindigkeitbeschränkung in Ortschaften gibt es nicht. Meist steht
am Straßenrand ein Schild (gelb mit schwarzer Schrift) in Thai und Englisch "Reduce your
speed". Manchmal ist die erwartete Höchstgeschwindigkeit klein darunter angegeben.
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- Sollten vor einer Kurve abgeschnittene Zweige oder Palmwedel auf der Straße liegen,
bremsen Sie besser. Dies ist hier das übliche Warndreieck, und hinter der Kurve
wartet evtl. ein liegengebliebener LKW!
- Vorsicht am Berg! Es besteht akute Auffahrgefahr!
Hierzulande schaltet man meist erst dann in den kleineren Gang,
wenn der Motor fast abgestorben ist. Ist der Berg steil genug, bleibt dabei der Wagen
stehen und dann wird erst einmal ein Stein gegen das Rückwärtsrollen unter mindestens
ein Rad gelegt. Nur so läßt sich das Fahrzeug (mit meist defekter Handbremse) wieder
anfahren. Der Stein bleibt dann natürlich auf der Straße liegen, zur Freude später
kommender Zweiräder.
- Beim Rechtsabbiegen ist es üblich (vor allem bei Zweirädern), daß man schon einmal
ein paar zig Meter vor der Abzweigung die Seite wechselt und dann eben
am rechten Straßenrand bis dorthin fährt. Biegt man auf eine Straße nach rechts
ein und will dann bald wieder rechts abbiegen, lohnt es sich ja erst recht nicht,
überhaupt auf die linke Seite zu wechseln. Besonders bei Nacht kann das den Gegenverkehr
gut irritieren!
- Apropos Nacht: Besonders die betagteren Fahrzeuge haben manchmal kaum oder gar keine
Beleuchtung. Daß man denjenigen nicht kommen sehen konnte, gilt bei einem Unfall nichts.
Solange der Fahrer die Straße noch erkennen kann, braucht er kein Licht einzuschalten.
Gesehen werden ist unwichtig!
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- Nochmal Nacht: Sollten Sie nachtblind sein, gleich eine Warnung: Der Straßenbelag ist
hier sehr dunkel, wenn dann noch etwas Regen dazukommt, artet alles in Blindflug aus.
Das und die meist falsch eingestellten Scheinwerfer des Gegenverkehrs sollten als Risiko
nicht unterschätzt werden. (Auf Langstrecken kommen noch die total übermüdeten
LKW-Fahrer dazu, die sich mit Energiedrinks und/oder Drogen kaum wachhalten können.)
- Es gibt in Thailand nahezu keine Alkoholkontrollen, sollte es aber einen Unfall geben, spielt
der Alkohol eine wesentliche Rolle. Haben Sie getrunken, bezahlt Ihre Versicherung nichts.
- Fahrbahnmarkierung werden auf Landstraßen meist als Dekoration betrachtet. Machen Sie sich
darauf gefaßt, daß auf einer längeren geraden Strecke ein Mopedfahrer vor Ihnen auf einmal
ohne Grund anfängt, Schlangenlinien zu fahren. Lange geradeaus fahren ist langweilig und
macht keinen Spaß!
- Rot-weiß gestrichene Bordsteine bedeuten Halteverbot, gelb-weiß bedeutet Parkverbot. In
einigen Städten (Bangkok, Phuket, Patong, Chiang Mai, u.a.) werden falsch abgestellte
Fahrzeuge mit Radklammern blockiert oder einfach mit einer Kette am nächsten Laternenmast
angeschlossen. Damit beginnt dann die Suche nach dem zuständigen Polizeirevier ...
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- Warnschilder vor Baustellen sind (fast) immer große rote Plakate mit schwarzer Schrift.
Der Text ist meist nur in Thai geschrieben, aber allein das Vorhandensein eines solchen
Schildes sollte zur Vorsicht mahnen.
- Kommen Ihnen Fahrzeuge mit Lichthupe entgegen, soll dies auch meist vor einer Gefahrenstelle
warnen. (Evtl. aber auch Polizeikontrolle)
- Halten Sie am besten immer den linken Fahrbahnrand im Auge. Es könnte passieren, daß der
für Sie wichtig wird. Überlandbusse überholen häufig ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr,
da sie ja sowieso die Stärkeren sind. Da hilft nur die Flucht nach links!
- Überholen Sie nicht, wenn eine Abzweigung auf der rechten Seite naht. Meist ordnet man
sich hier zuerst rechts ein und setzt dann, wenn überhaupt, den Blinker. Ein Blick in den
Rückspiegel vor dem Einordnen scheint ein Zeichen von Schwäche zu sein und wird deshalb meist
unterlassen.
- Entfernungsangaben auf Wegweisern sind in Kilometern, Geschwindigkeitsbegrenzungen in
km/h.
- Mit einem gemieteten Fahrzeug dürfen Sie die Landesgrenze nicht überschreiten. Das geht
nur, wenn Sie den Fahrzeugbrief vorweisen können und an der Grenze eine Versicherung
für den Auslandsaufenthalt abschließen. Je nach Verleiher kann es auch sein, daß
Sie die Provinz ohne Zahlung einer Zusatzgebühr nicht verlassen dürfen. Denken
Sie z.B. bei Ausflügen von Phuket aufs Festland daran. (Das Festland ist per
Brücke erreichbar, ist aber schon die Provinz Phang Nga.)
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Speziell für Phuket:
- Vorsicht vor PKW's mit grünem Kennzeichen! Das sind die
sogenannten VIP-Limousinen, die den Taxiverkehr vom und zum Flughafen machen. Die
Fahrer meinen, besonders priviligiert zu sein und die gesamte Straße gepachtet zu haben.
- Die hiesigen Tuk-Tuk-Fahrer bilden eine Klasse für sich. Sie sind offensichtlich von
allen Verkehrsregeln entbunden. Lassen Sie es am besten nie zu einer Diskussion oder
gar einem Unfall kommen!
- Besondere Vorsicht ist auch bei den zahlreichen "Big Bikes" angebracht. Die
kann hier jeder mieten, egal ob er zu Hause einen Führerschein und Erfahrung mit
Motorrädern mit deutlich über 100 PS hat oder nicht.
Die Fahrweise der Leute ist dementsprechend.
- Inzwischen sind sehr häufig Führerscheinkontrollen angesagt. Besonders
an "strategischen" Punkten warten die freundlichen Herren in Braun auf
ihre Opfer, so z.B. zwischen Karon und Patong Beach, in der Zeit, zu der die meisten
Nachtschwärmer unterwegs sind. Der Besitz eines Führerscheins löst
Begeisterung aus, wenn man keinen hat, fällt das Budget für den Abend um ca.
300 Baht niedriger aus. Der Unterschied zwischen Motorrad- und Autoführerschein
ist sehr wohl bekannt...
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Ein Leser (Bernd E. aus Deutschland) hat noch weitere Ergänzungen geschickt.
Hier seine Erfahrungen:
Meine Selbst-Erfahrungen sowohl auf Phuket, als auch im Nordwesten (Sukhothai <--> Chiang Mai)
hat mich noch gelehrt:
- Verdoppele Deine Aufmerksamkeit und reduziere Deine Speed bei den
Passagen, auf denen (am schlimmsten an beiden Straßenrändern
gleichzeitig) Markttreiben herrscht.
Hier muß man auf alles gefaßt sein. Z.B., daß die Straße in die Fläche
des Markttreibens urplötzlich mal miteingeschlossen wird. Mit Denken
oder Ahnungen braucht man hier nicht argumentieren.
- Neben den "guten" Thais (Gott sei Dank die Mehrheit) gibt es auch
noch die "Bösen". Zumindest für den Nordwesten (und wohl noch mehr in
Richtung Goldenes Dreieck) kann ich nur empfehlen:
Vermeide das Fahren allein in der Dunkelheit (speziell mit dem Moped)
in einsamen Regionen (dazu zählen nach Sonnenuntergang dann auch
als Naturschutzreservate ausgewiesene Gebiete).
Die Wahrscheinlichkeit, daß Dich arme (im Sinn des Wortes, ohne
Wertung) Einheimische im Drogenrausch überfallen, ist durchaus nicht
zu unterschätzen.
Größer wird diese noch, wenn Du als Farang unterwegs bist.
Und getoppt, und fast schon eine Einladung zu Deiner eigenen Beerdigung,
wenn Du (selbst im Dunkeln) noch unübersehbar mit Goldaccessoires
aufgeputzt durch diese Gegenden fährst.
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Weiterer Input kam dann noch von Thomas P. (Deutschland),
er ist mit dem Motorrad auf Phuket unterwegs gewesen und hat da seine
eigenen Erfahrungen gemacht. Zitat aus seiner Zuschrift:
Vielen Dank für Eure Hinweise, hier noch ein paar Anmerkungen
von einem wirklich vorsichtigen Motorradfahrer ...
- Bringt Euch euren evt. alten Helm mit, da es dort wirklich fast nur
Schrott gibt ..
- grundsätzlich defensiv, defensiv, defensiv ... wer Recht haben möchte,
ist in Thailand mit dem Motorrad falsch ...
- Gerade auf Phuket Vorsicht bei Steigungen bzw. Bergabfahrten der
Asphalt wird bei heissen Temperaturen und Russablagerungen der gequälten
LKW'S u. a. in den Kurven richtig schmierig. Vergesst alle Schräglagen,
die Ihr aus Europa kennt und fahrt alle Kurven extrem langsam (gerade
Phuket - Patong Strecke).
- Falls Ihr wie ich Farang seid und auf einer einsamen Straße aus
Versehen rechts fahrt und dann ein Auto kommt, nicht mehr versuchen nach
links zu ziehen, sondern ganz rechts am Strassenrand stehenbleiben ...
Die meisten Thais sind das gewohnt ... .
- Nie ohne vernünftigen Helm + lange Hose und Jacke und Handschuhe fahren,
auch wenn es heiß ist, da die erste Hilfe in Thailand im besten Fall
darin besteht, den Leuten beim Aufstehen zuzuschauen ...
- Auch mit einer großen Maschine nicht provozieren lassen. Ich habe die
Autos und Busse lieber vor mir als zehn cm hinter meinem Rücklicht ...
erst Recht ab 100 km/h
- Nur im Ausnahmefall nachts fahren und dann auf grossen Strassen und
lieber einmal mehr hupen als weniger ...
- Immer mit Tieren rechnen. In Phuket lief mir zur Mittagszeit eine
grosse Schlange (1,5 bis 2 m) über die Strasse und richtete sich mal kurz
auf. Gut, daß sich ca. 5 Meter weiter stehengeblieben war ...
PS: Ich hatte eine 400 er Honda Transalp die technisch okay war und habe
über Thai Bekannte BHT 800 pro Tag auf Phuket für die Maschine bezahlt.
Zitat Ende, vielen Dank für die Ergänzungen!
Und noch einmal der Hinweis: Bitte Führerschein mitbringen, die Kontrollen werden
immer häufiger und das Geld kann man sicher besser als in Bußgeldern anlegen!
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Per email erhielt ich noch Hinweise von Mike (Deutschland):
- Wer einen Roller kauft (geht ja mit Visa und Residence Certificate)
sollte die Kaufpapiere des Rollers mit sich führen. Auch wenn dies einem
allfälligen Dieb des Rollers Freude bringt.... Habe hierfür bei einer
Kontrolle 200 Baht in Pattaya bezahlt. Habe dann daber die Papiere mit auf
das Polizeirevier gebracht und musste dann nur noch 100 Baht bezahlen.
- Ich bezahlte 500 Baht, weil ich angeblich zu schnell gefahren bin. Der
Polizist hatte natürlich kein Radargerät. Er meinte nur, daß sich eine
Fussgängerin erschreckt hat. An dem Tag war Großkontrolle. Jede Menge
Rollerfahrer (Farang und Thais) wurden ausgewunken. War am Dolphin Circle
Pattaya. Scheint mir etwas Willkür zu sein, wer rausgeholt wird und wer
nicht. Trotzdem, ich bin schon oft (vor allem auf Phuket) in Kontrollen
geraten. Die Polizisten waren immer nett.
Trotzdem, gibt auch lustige Situationen. Mir schoss mal nachts ein Polizist
aus einer Seitenstrasse auf mich zu. Mit Vollbremsung konnte ich verhindern
ihn seitlich abzuschiessen. Wir waren definitiv beide zu schnell. Beide
lächelten und fuhren weiter.
In Deutschland hätte es gleich eine Diskussion gegeben.
So long, wünsche allzeit gute unfallfreie Fahrt.
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